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Bagua Zhang | Überblick | Techniken & Methoden | Geschichte

Bagua Zhang - 八卦掌

Bagua Zhang - kurzer geschichtlicher Abriss

 

Bagua Zhang (der Kampfstil der Acht Trigramme Handflächen) ist der jüngste der drei Inneren Kung Fu-Stile (Xingyi Quan, Taiji Quan und Bagua Zhang). Dieser Stil wird nicht zu den Boxen-Kampfkünsten (Quan = Faustkampf) gezählt, sondern eher in den Bereich des Ringens (Zhang = offene Handflächen), da hier neben Schlägen und Tritten vor allem Stoß, Wurf und Hebeltechniken trainiert werden.
Über die Entstehung des Bagua Zhang gibt es mindestens drei Theorien. Eine Hypothese besagt, dass Bagua Zhang bei Gegnern der damaligen Qing Dynastie entwickelt wurde. Eine andere Hypothese verortet den Ursprung dieser Kampfkunst bei zwei taoistischen Mönchen, welche in der Emei Region (Provinz Szechuan) lebten. Der historisch bisher gesicherte Ursprung ist jedoch ein Mann namens Dong Hai-Chuan (1798-1879/1882, geb. im Bezirk Wen-An, Provinz Hebei), der während der Qing Dynastie lebte.
Nach eigenen Angaben reiste Dong in seiner Jugend durch China und lernte bei mehreren Lehrern unterschiedliche Kung Fu-Stile. Aber kein Meister konnte seine Suche nach einer exzellenten und effektiven Kampfkunst vollends befriedigen. So reiste Dong schließlich zum Berg Jiuhua (Provinz Anhui), wo er einen Jungen sah, der einen merkwürdigen Kung Fu-Stil trainierte. Auf Dongs Frage, ob diese „Verrenkungen“ auch zum Kämpfen geeignet seien, wurde Dong von dem Jungen im freundschaftlichen Kampf überwältigend geschlagen. Dong suchte den Meister des Jungen auf und lernte von ihm über zehn Jahre diese (bis dato) unbenannte und unbekannte Kampfkunst.
In den meisten Geschichtsbüchern wird gesagt, dass der Name des Mönches unbekannt ist, und dass Dong selbst den Namen nie erwähnte (wenn er ihn überhaupt wusste). In taoistischen Kreisen war es damals (und heute) üblich, seinen Namen nicht als wichtig zu erachten, da es um die Sache geht. An anderer Stelle wird Dongs Lehrer Bi Dengxi genannt (vgl. Lu Shengli, Combat techniques of Taiji, Xingyi, and Bagua).
Nachdem Dong von seinem Lehrer alles gelernt hatte, was er ihm beibringen konnte, motivierte dieser Dong weiterzureisen und ein neues Leben anzufangen. Dong reiste daraufhin durch das Land, gewann viele Vergleichskämpfe und ereichte schlussendlich Beijing. Er arbeitete zuerst am Hofe des kaiserlichen Bruders König Su, der eine große Leidenschaft für Kampfkünste hegte und viele bekannte Meister zum Hofe einlud. Die Geschichte besagt, dass Dong beim Bedienen einer abendlichen Gesellschaft dem König auffiel, da er sich gewandt und äußerst geschickt durch den vollen Raum bewegen konnte, ohne auch nur einen der Gäste zu berühren. Fürst Su überredete Dong einige seiner Kampfkunsttechniken vorzuführen. Nachdem der Fürst Dong bedrängte seine beste Kunst zu zeigen, demonstrierte Dong die Techniken, die er von dem taoistischen Mönche gelernt hatte. Da diese Art des Kämpfens noch nie am Hofe gesehen worden war, fragte der Fürst nach dem Namen der Kampfkunst. Dongs Lehrer hatte jedoch nie einen Namen für diesen Stil genannt, daher dachte sich Dong kurzerhand einen Namen aus: Bagua Zhang. Nachdem Dong in einem folgenden Vergleichskampf sogar den Hauptmann der königlichen Sicherheitskräfte (Sha Huizi) besiegt hatte, wurde Dong zum Leiter der Sicherheitskräfte befördert.
Durch seine Anstellung am königlichen Hofe war es Dong in den kommenden Jahren jedoch nicht möglich eine normale Kampfkunstschule zu leiten. Somit konnte er nur einzelne Schüler unterrichten, die bereits einiges Vorwissen mitbrachten. Darüber hinaus lehrte Dong seinen Schülern vor allem das Bewegungsprinzip in Abhängigkeit der jeweiligen Körperstatur und Fähigkeiten des Schülers und keinen standardisierten Kanon an Techniken.
So kam es, dass jeder Schüler Dongs Stil etwas anders übernahm und bereits in der ersten Generation sich viele eigene Stile im Bagua Zahng-System entwickelten.
Die heute bekanntesten Stile sind der Yin-Stil (von Yin Fu, der Einflüsse des 18 Louhan Quan beinhaltet), Cheng-Stil (von Cheng Tinghua, welcher als Optiker arbeitete und auch im chinesischen Ringen sehr geübt war) und den Liu-Stil (von Liu Dekuan, der in seiner Jugend besonders Shaolin Liuhe Quan und Ying-Zhua Quan /Adlerklauen Boxen gelernt hat).
Jeder dieser Bagua Zhang-Stile repräsentiert aber bis heute die elementaren Kampf- und Bewegungsprinzipien des ursprünglichen Bagua Zhangs von Dong Hai-Chuan. Allerdings differenzierten sich die verschiedenen Schulen sehr schnell, so dass es bis heute keine einheitliche Theorie und Kampfkunstphilosophie des Bagua Zhangs gibt (im Ggs. zum Xing Yi Quan).
In unserem Verein trainieren wir den Stil von Cheng Tinghua (1848-1900), der auch als nan chen pai (Südstadt-Baguastil) oder long zhao zhang (Drachenkrallen Baguastil) bekannt ist. Er zeichnet sich besonders durch seine vom chinesischen Ringen (Shuai Jiao) beeinflussten Techniken aus und ist somit eine gute Ergänzung zum Shang Pai Xingyi Quan.