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Taiji Quan | Überblick | Geschichte

Taiji Quan - 太極拳

Taiji Quan - Geschichte

General Chen WangtingAls Begründer des Taiji Quan gilt der General Chen Wangting 陳王庭 (1597-1664), der, nachdem die Ming-Dynastie gestürzt und durch die Qing-Dynastie ersetzt worden war, sich als entlassener General in sein Heimatdorf Chenjiagou (Henan) zurückzog. Dort soll er eine Synthese von bewährten Kung Fu Techniken auf Grundlage von Qi Jiguangs "32 Formen des Boxens" 戚繼光三十二式長拳 mit Qi Gong Übungen geschaffen haben.

Neuere Forschungen in Vebindung mit archäologischen Ausgrabungen an einer Ruinenstätte in Shanxi, an der zu Chen Wangtings Zeiten ein daoistischer Tempel gestanden hatte, legen ein anderes Szenario dar.  Damals hatten sich in der Provinz Shanxi drei neue Stile entwickelt: eine Technik die als ursprüngliches Taiji Quan bezeichnet werden kann, Tongbei Quan und eine Variante des Xing Yi Quans. Diesen Forschungen zu Folge hat Chen Wangting mit seinem Waffenbruder Li in jenem Tempel bei einem "Namenlosen Daoisten" dieses ursprüngliche Taiji Quan gelernt.

Chen und Li zogen sich dann in ihre Dörfer zurück, in denen sich der Stil im Laufe der Zeit unabhängig von einander weiter entwickelte. Der Li Stil entwickelte sich sehr Xing Yi-ähnlich. Da Chenjiagou aber in der Nähe des Shaolin Klosters lag, sind starke Shaolin-Einflüsse in das Taiji Quan eingegangen. Jedoch wurde auch der ursprüngliche Stil im Dorf weiter gegeben.

Ein weiterer Markpunkt in der Entwicklung ist an der Rolle von Chen Chang Xin 陳長興 festzumachen. Bis zu ihm scheint sich der ursprüngliche Stil erhalten zu haben, der heute als "kleiner Rahmen des Chen-Stils" bekannt ist, während der Shaolin-geprägte Stil den "großen Rahmen" darstellt. Der große Rahmen wird heute von Chen Xiaowang repräsentiert, der kleine Rahmen von Chen Pei Ju小架.  Bei Chen Chang Xin hat der Yang Stil-Begründer Yang Luchan gelernt, weshalb Yang-Taiji heute noch mehr Ähnlichkeit mit Xing Yi Quan hat als der Chen-Stil. Außerdem stammen vom kleinen Rahmen die Taiji-Familienstile Sun, Hao, He, und Zhaobao ab.

Yang Chen Fu Der Yang-Stil veränderte sich in der Folgezeit ebenfalls stark. Diese Veränderung ist auf Yang Chen Fu 楊澄甫 zurückzuführen, welcher in der großen Krise der chiesischen Kultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Guoshu-Akademie lehrte. Ziel dieser und anderer Akademien war es, der chinesischen Kultur durch Rückbesinnung auf ihr eigens Kulturgut neues Selbstbewusstsein zu geben. Zu diesem Zweck gingen Kung Fu Meister an die Öffentlichkeit um größeren Schülerschaften ihre Stile beizubringen. Für dieses Projekt vereinfachte Yang Cheng Fu seinen Stil stark, um ihn besser größeren Gruppen beibringen zu können. Außerdem wurden die Anwendungen so verschlüsselt, dass sie nicht ohne weiteres erschließbar waren. Diese Variante wurde schließlich von vielen seiner Schüler weitergegeben. Auch die sich damals entwickelnde intellektuelle Bevölkerungsschicht interessierte sich für diesen Stil und schließlich wurde in Unkenntnis der ursprünglichen Bedeutungen neue gedankliche Konstrukte zum Taiji entworfen. Ärzte betonten die gesundheitlichen Seiten des Taiji Quans und esoterisch geprägte Praktiker glaubten im Taiji eine Methode zur spirituellen Entwicklung zu finden. Diese Entwicklung führte letztlich vom Ursprung weg, so dass nur noch selten echtes ursprüngliches Yang Taiji Quan vorkommt. Die meisten Schulen, die diese gar nicht traditionelle Interpretation weitergeben, dürften eigentlich das Wort "Quan" (= Faustkampf) nicht mehr im Namen führen.