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Kooperierende Schule

Vorwort

Unser Hauptanliegen mit fernem Ziel ist, die in Deutschland noch weitgehend fremden inneren Kampfsportarten (Nei Jia Quan) als Ganzes vorzustellen.

Seit etwa 30 Jahren kennt man in Deutschland das Tai Ji Quan der Familie Yang. Dieses ist vom ursprünglichen Chen Tai Ji Quan abgeleitet, das sich aber erst seit etwa 15 Jahren in Deutschland verbreitet.

Das Chen Tai Ji selbst besteht aus zwei großen Richtungen: dem großen Rahmen, der in Deutschland inzwischen recht bekannt ist und dem ursprünglicheren kleinen Rahmen, der hier noch fast völlig unbekannt ist. Darauf werden wir später noch eingehen. 

Ähnlich dem ursprünglichen Tai Ji Quan ist auch die sehr berühmte ursprünglichere Form des Xing Yi Quan außerhalb Chinas kaum bekannt. Was man in Deutschland unter Xing Yi Quan versteht, ist fast immer Hebei Xing Yi oder ein Teil des in sich bereits gespaltenem Shanxi Xing Yi Quan. Jedoch sind die Stile Shanxi Daishi Xin Yi Quan und Henan Xin Yi Quan (hier nicht „Xing=äußere Form“ sondern „Xin=Herz bzw. innere Form“!) hier völlig unbekannt.

Die wenigen, denen auch etwas Shanxi Daishi XinYi und Henan XinYi bekannt ist, können sich kaum vorstellen, dass diese beiden Stile untereinander, sowie der dritten Richtung, dem Hebei Xing Yi Quan, einem einzigen Urgroßmeister entsprungen sind, denn miteinander verglichen, sehen  alle drei Großrichtungen sehr verschieden aus. 

Die Unkenntnis der größeren Zusammenhänge und der Ursprünge sowohl des Tai Ji Quan als auch des Xing Yi Quan und deren weiterentwickelten Formen, ist deswegen ein Problem, weil dadurch viele Lehrer nicht in der Lage sind, das große Ganze systematisch zu erklären. Wer sich nur aus gesundheitlichen Gründen bewegen möchte, wird jetzt vielleicht einwenden, dass es doch egal sei, welche Zusammenhänge hier bestehen. Interessant sind diese Zusammenhänge aber für Personen, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, weil viele Komponenten der Bewegungen, deren Wirkungen und Ideen besser nachvollziehbar werden. 

Unser Verein (SAGD) möchte genau diese Lücke schließen. Unser Ziel ist es, unseren Schülern das große Ganze zu vermitteln, d.h. wir bemühen uns, unseren Schülern nicht nur die Bewegungen unseres Stils Shang Pai Xing Yi Quan zu vermitteln, sondern auch ein tieferes Verständnis der größere Zusammenhänge  und philosophischen Hintergründe. 

Nur dadurch wird Kampfkunst als eine Einheit verstanden und weitergegeben und nicht nur spezielle Bewegungen. Das ist mein ganz persönliches Anliegen! 

Nur auf eigene Bewegungen fixiert zu sein  verursacht eine gewisse Arroganz der Beste zu sein. Versteht man aber alles im Ganzen, die Abzweigungen in ihren verschiedenen Bedeutungen, erkennt man die Vor- und Nachteile jeder abgewandelten Form der unterschiedlich übenden Gruppen. 

Weil uns das Verständnis für die großen Zusammenhänge wichtig ist, pflegen wir intensive Kontakte zu Meistern in China, die sich in ähnlicher Weise für diese Ziele einsetzen. 

Daher freuen wir uns, in naher Zukunft die Meisterinnen Lü Yan Zhi (Xin Yi Liu He Quan) und Chen Pei Ju (Xiao Jia Chen Tai Ji Quan) in Marburg begrüßen zu können.

 

Meisterin Lü Yan Zhi - Henan Xing Yi  (Xin Yi Liu He Quan) 

Lü Yan Zhi ist Tochter des berühmten Meisters Lü Ruifang (1908-1999). Das Xin Yi der Familie Lü wurde bis zu ihm nur in muslimischen Kreisen weitergegeben. Frau Lü schließt lückenlos an die Tradition ihres Vaters an und unterrichtet alle ernsthaft interessierte Leute egal, welcher Religion sie angehören. Die Familie Lü vertritt authentisches Henan Xin Yi Quan aus der Stammlinie Ma Xueli – Zhang Zhicheng – Li Zheng – Mai Zhuangtu – An Daqing - Yuan FengYi, Ding Zhaoxiang – Shang Xueli – Lü Ruifang.

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Links und Mitte: Meisterin Lü Yan Zhi. Rechts: Lü Yan Zhi´s Vater Lü Ruifang (1908 - 1999)

 

Inzwischen befindet sich Frau Lü im Ruhestand. Zuvor arbeitet Sie in hoher Position im Ministerium für Sport. Lü Yan Zhi  ist eine bedeutende Persönlichkeit im Kreis der inneren Kampfkünste und trug viel für die Verbreitung und Bewahrung ihrer authentischen Tradition bei. Im Jahr 2009 wurde sie für ihr Engagement für die als nationales ideelles Kulturerbe [1] (wörtlich: Nicht-Materielle- Kulturerbin) ausgezeichnet. Gleichzeitig ist sie Nationaltrainerin und Schiedsrichterin.

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Meisterin Lü bei der Ernennung zum ideellen Kulturerbe (zweite von Rechts). Die Sitzanordnung, neben ihr der Leiter des Shaolin Tempels, spricht schon für sich

 

Meisterin Lü bildet trotz ihres Alters von 67 Jahren Trainer der Shao Lin Wu Shu-Schulen in Dengfeng, Henan aus. Außerdem gibt sie ihr Wissen in ausgewählten Schulen im Ausland weiter wie z.B. in der Schweiz.

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Links: Zeitungsartikel anlässlich des Besuchs von Lü Yan Zhi in der Schweiz. Rechts: Lü Yan Zhi bei ihrer Tätigkeit als Ausbilderin von Shao Lin Kung Fu Trainern in Dengfeng

 

Meisterin Lü hat zwei Söhne. Ihr zweiter Sohn Shan Liang ist an den gleichen Institutionen beschäftigt wie seine Mutter. Auch eine Enkelgeneration wird bereits im Familienstil ausgebildet.

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Links: Shan Liang (2. Sohn von Meisterin Lü) beim Unterrichten der Grundstellung San Ti Shi. Mitte: Shan Bin (der 1. Sohn von Meisterin Lü) beim eigenen Training. Rechts: Enkel von Meisterin Lü beim Üben der Tigerform

 

 

In einem persönlichen Brief von Meisterin Lü an SAGD verleiht sie ihrem Wunsch Ausdruck unsere Bemühungen, die inneren Kampfkünste in Europa zu verbreiten und über den Kampfsport die deutsch-chinesische Freundschaft zu fördern, zu unterstützen.

Brief Meisterin Lü an SAGD Marburg 

Übersetzung:

Verein zur Pflege der deutsch-chinesischen Beziehungen,

Ihr Verein hat wichtige Beiträge im Bereich des kulturellen Austauschs und Pflege der deutsch-chinesischen Freundschaft geleistet. Chinesischer Kampfsport ist eine glänzende Perle der kulturellen Entwicklung des chinesischen Volkes und hat eine besonders tiefgreifende kulturelle Dimension. Somit ist der Kampfsport ein paradigmatisches chinesische Kulturgut, das leicht zu erlernen und Menschen jeden Alters zugänglich ist. Wer ihn übt, wird davon profitieren. Er passt in alle Gesellschaftsschichten und ist auch sehr beliebt bei Menschen anderer Länder.

Xin Yi Liu He ist eine alte Wu Shu-Richtung, die zu den inneren Kampfsportarten gehört. Henan Xin Yi ist bekannt für seine Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Kraftentfaltung. Zugleich ist es in der Anwendung ungeschminkt und in der Vermittlung traditionstreu. Der gedankliche Hintergrund  (Philosophie) des Stils basiert auf verschiedenen philosophischen, kulturellen und anderen Aspekten. Wir würden uns freuen unter Ihrer Anleitung diese für die körperliche und geistige Gesundheit förderliche Tradition in ihrem Land verbreiten zu helfen. Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Förderung der Freundschaft zwischen unseren Völkern zu leisten und das Leben des deutschen Volkes mit der Vermittlung dieses chinesischen Kulturguts zu bereichern. Wir unterstützen gerne Ihre Bemühungen die Kulturgüter unserer Völker einander näher zu bringen und ihnen zur Blüte zu verhelfen.

Ideelles Kulturerbe in Xin Yi Liu He Quan, Wu Shu-Entwicklungs- und Managment-Zentrum, höchstrangige Trainerin der Provinz Henan, 8. Duan (Meistergrad) Chinesisches Wu Shu

Lü Yan Zhi
 


Im Laufe der Zeit werden wir weiteres über Henan XinYi auf unserer Homepage vorstellen.