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Mit Vernunft Kampfsport lernen!

In dem Kreis für chinesischen Kampfsport in Deutschland gibt es eigentlich schon genügend verschiedene Spezialisten, die für verschiedene amüsante Aussagen zuständig sind. Aber es fehlen hier, meines Erachtens, dringend richtige Informationen und Kenntnisse. Aus meinem Bereich erfahre ich durch meine Schüler immer wieder von Leuten, die hier in Deutschland bestimmte Meinungen, bestimmte falsche Meinungen verbreitet haben. „Etwas“ wird erzählt, das dann von anderen ohne Überprüfung  und Verständnis aufgenommen. und genauso als eigenes Wissen weiter erzählt wird. Ich habe beobachtet, dass dieses  Symptom von Mangel an richtiger Information und Kenntnisse sehr häufig auftritt.

Solche Erscheinungen wirken sich schädlich aus und gefährden der gesunden Entwicklung von Wu Shu, also dem chinesischen Kampfsport. Warum sage ich „wirken sich schädlich aus“ und „gefährden der gesunden Entwicklung“ von Wu Shu? Das ist so: Jeder hört etwas. Jeder meint ein großes Geheimnis erfahren zu haben. Aus Mangel an weiteren Informationen wird er sich selbst verherrlichen d.h. den anderen gegenüber betreibt er Geheimnistuerei oder wird sich von den anderen abgrenzen.

Noch eine andere Nebenwirkung: wenn jemand durch falsche Informationen den ganzen Kopf voll besetzt hat, so  hat dieser keinen Platz mehr für die richtigen/ wahren Informationen. Natürlich will er auch nicht mehr auf die Richtigen hören und kann auch gar nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden

Beispielsweise erzählen mir manchmal einige Leute von Entstehungsgeschichten bestimmter Stilrichtungen oder über bestimmte verstorbene Großmeister;  oft so vermischt mit den Geschichten aus  Kungfu-Romanen und Kungfu-Filmen, dass es mir manchmal schon richtig leid tut, wenn die Leute daran glauben. Das ist vergleichbar mit einem, der meint er habe Bogenschießen bei Winnetou gelernt. Wenn einige Leute also meinen ihr Stil stamme von einem Meister ab, den es aber nur als Romanfigur gibt, würde ich verständnisvoll immer noch davon ausgehen, dass dies auf Grund mangelnder richtiger Informationen und Kenntnisse zurückzuführen ist. Sie können nicht erkennen was echt ist. Aber es gibt leider auch solche Leute, denen ich mit viel Mühe versucht habe die Wahrheit zu erklären, die aber   trotzdem weiter an „Winnetou“ glauben wollen. Bei solchen, würde ich sagen, dass es sich nicht nur um Mangel an Informationen, sondern auch um Mangel an Vernunft oder auch Mangel an Intelligenz handelt.

Ein weiteres „Quatsch“, Beispiel: Manche Behaupten, Qi Gong oder TaiJi gäbe es seit 7000 Jahren. Ein TaiJi Lehrer, hier in Deutschland, mit dem ich mich unterhalten hatte, verhielt sich mit seiner Behauptung etwas zurückhaltender, anstatt 7000 Jahre  behauptete er, seit 5000 Jahren würde TaiJi geübt und warb auch so in seinem Flyer.

Als ich ihm meine Zweifel äußerte, weil zu dieser Zeit sogar die Legenden des Gelben Kaisers (Huang Di) noch nicht existierten. Sie werden auf 4700 Jahre geschätzt. Diese Zeit liegt länger zurück als die chinesische Geschichte. Seine erste Reaktion darauf  hatte mich erstaunt, er meinte nämlich dazu: „Die Chinesen sollten sich einigen“ schließlich habe er diese Behauptung von einem Chinesen gehört. Ich habe ihn gefragt, was dies mit ‚sich untereinander einigen’ zu tun habe, schließlich gehe es hier um geschichtliche Daten.

Nach seiner ersten Antwort hatte ich eigentlich schon darauf verzichtet mit ihm weiter vernünftig zu diskutieren, weil er sich nicht wirklich für die richtige Information interessierte. Er ist zufrieden mit der Zahl 5000. TaiJi erscheint so älter, wertvoller und lässt sich gut verkaufen.

Ein kleiner Trost: unsere Diskussion hat zumindest bewirkt, dass in seinem folgenden Flyer nicht mehr 5000 Jahre stand, sondern nur „mehrere 1000 Jahre“. Ein schwacher Trost.

Es gibt eine Menge echte und falsche Literatur nach der man die Stilrichtungen datieren kann. Falsche ist die sozusagen: neue „Alt-Literatur“,  von ihr lassen sich diejenigen verwirren, die die geschichtlichen Daten und Zusammenhänge nicht kennen und verstehen. Was heißt neue „Alt-Literatur“ ? Das ist solche, die jemand irgendwo angeblich entdeckt und nur noch neu herausgegeben hat, z.B. wird von einigen gerne behauptet sie hätten die Schriften ihrer Urahnen entdeckt.

Der Wu-Shu-Historiker Xu Zhen hat solche Schriften, die in diesem Jahrhundert herausgegeben wurden, auf Fälschungen untersucht und herausgefunden, dass z.B. ein gewisser TaiJi Meister einer Stilrichtung angeblich von der Tang bis zur Ming-Dynastie gelebt haben soll. Demnach wäre er 600 Jahre alt geworden. Selbst wenn man nach solcher gefälschten Literatur die Entstehung von TaiJi berechnen würde, würde man dennoch nur auf 1200 Jahre kommen. Man kann also immer noch nicht von mehreren tausend Jahren sprechen.

Es gibt noch ein interessantes Beispiel: Ich habe von jemanden einen Flyer erhalten, indem es um einen angeblich bekannten Meister aus Südost-Asien geht, der, so wird berichtet an einem „berühmten Pilgerort“ in Südchina Kungfu gelernt hat. Dieser Ort jedoch existiert nicht in der realen Welt, sondern nur in einem Kungfu-Film. Von diesem Meister wird erzählt, er könne ohne Strom mit seinen Händen Wasser zum kochen bringen. Aus diesem Grund bin ich dafür, dass jeder diese Art von Qi Gong erlernen sollte: das ist nämlich stromsparend!

Selbst wenn es schwierig ist, die umfangreiche chinesische Geschichte zu kennen, sollte man trotzdem die Informationen mit Vernunft analysieren können und in der Lage sein, darüber nachzudenken und erkennen zu können, was dahinter steckt. So sollte jeder wissen, dass man Aussagen, wie in dem Beispiel oben, mit Qi Gong Wasser zum Kochen bringen zu können, nicht glauben. Auch wenn es noch so schön klingt. „Nicht alles was glänzt ist Gold“ ! Bescheiden  bleiben sollte man.

Wer solche falschen Weisheiten aufgenommen hat, hat keinen Platz für das richtige. So gebe ich meinen Schülern den Rat, mit leeren Gläsern und nicht mit Halbvollen zu kommen, weil sie sonst nicht meinen guten Wein kosten können !!!

Man sollte wissen, was man wirklich will. Will man nur eine Art von Mystik oder die wahre Sache? Das ist für manche schwierig selbst zu erkennen.

Während meiner Lehrtätigkeit habe ich beobachtet, dass nicht jeder Kampfsportlernende in Deutschland, wenn ich von ihm Vernunft verlange, diesen Sport wirklich gerne hat, denn solche bevorzugen eine gewisse mysteriöse, esoterische, exotische Atmosphäre.

Ohne diese Atmosphäre ist ihnen der Kampfsport zu sachlich geworden. Anstatt bemüht zu sein, TaiJi mit Fleiß zu erlernen und zu trainieren, wollen solche eher bei Räucherstäbchen, Plätzchen und grünem Tee sitzen.

Solche Leute suchen etwas anderes als die Erkenntnisse, die ich meinen Schülern vermitteln kann. Es wäre zu schade, wenn ich mich für solche bemühen würde. Sie suchen etwas ganz anderes, als sie bei mir finden können, deshalb empfehle ich solchen erst gar nicht zu mir zu kommen. Das wäre zu schade für meine Kenntnisse und für meine Künste.