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Das Sehen lernen oder: wie das traditionelle Training den Charakter formen kann

(Ein Artikel von Daniel Beis, Mai 2011)


Vorwort

 

Im Rahmen der traditionell Chinesischen Kampfkunstausbildung werden immer wieder die moralischen und ethischen Dimensionen des Trainings hervorgehoben. Besonders wenn es um das Training von Jugendlichen geht, werden diese Aspekte häufig für die persönliche Charakterbildung und zwischenmenschliche Erziehung betont. Oft werden für diesen Bereich ein Tugendkatalog oder ein moralischer Codex  angeführt. Meiner Ansicht nach kann man diese Form der Charakterbildung aber nicht einfach in einer Liste moralischer Vorstellungen zusammenstellen. Diese Darsellung würde die eigentlichen charakterbildenden Prozessen nicht nur zu kurz fassen, sondern auch großteils an ihnen vorbei gehen.

Darüber hinaus möchte ich hier die Begriffe Kampfkunstmoral oder -ethik verwenden. Diese Begriffe werden oft missverstanden und würden tiefergehendere Erläuterungen benötigen (siehe Nachwort). Die folgenden Gedanken beziehen sich nur auf das de facto notwendige charakterliche Rüstzeug, das man sich im Rahmen des traditionellen Trainings aneignen sollte. Wer möchte, kann diese Tugenden nennen, oder einfach Gewohnheiten.

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